Andalusien im Herbst: September ist unschlagbar
Weniger Touristen, mildere Temperaturen, goldenes Licht: Warum September der beste Monat für Andalusien ist – und was du nicht verpassen solltest.

Wenn der Sommer geht und Andalusien aufatmet
Jeder kennt das Bild: überfüllte Gassen in Granada, Schweißperlen auf der Stirn vor der Alhambra, Warteschlangen vor der Mezquita in Córdoba – und dabei fühlt sich die Luft an wie ein Fön auf höchster Stufe. Der andalusische Hochsommer ist nichts für schwache Nerven. Temperaturen von 40 Grad und mehr sind im Juli und August keine Seltenheit, besonders in Sevilla, das regelmäßig als heißeste Stadt Europas gilt.
Doch dann kommt September. Und mit ihm eine andere Version Andalusiens – eine, die viele Reisende schlicht verpassen, weil sie sich an den klassischen Sommerferien orientieren. Das ist ihr Verlust. Und deine Chance.
Die Zahlen, die für sich sprechen
Im September sinken die Temperaturen in Sevilla auf angenehme 28 bis 32 Grad tagsüber – warm genug für Strand und Sightseeing, aber nicht mehr erschöpfend. In Granada, das auf rund 700 Metern Höhe liegt, sind es sogar nur 24 bis 28 Grad. Die Abende werden mild und angenehm, perfekt für lange Tapas-Touren durch die Altstadtgassen.
Dazu kommt: Die großen Touristenmassen sind abgereist. Die Schulferien in Deutschland, Österreich und der Schweiz enden spätestens Mitte September, und das merkt man sofort. Hotelpreise fallen um 20 bis 40 Prozent gegenüber dem August-Peak. Ein gutes Mittelklasse-Hotel in Sevilla, das im August 180 Euro pro Nacht kostet, ist im September oft schon für 110 bis 130 Euro zu haben. Flüge von deutschen Großstädten nach Málaga oder Sevilla sind ab 80 bis 120 Euro für Hin- und Rückflug zu finden – wenn du früh genug buchst.
Und die Alhambra? Im August oft wochenlang ausgebucht. Im September bekommst du Tickets häufig noch kurzfristiger, manchmal sogar zwei bis drei Tage vorher über die offizielle Website. Trotzdem: Buche sie so früh wie möglich, denn begrenzte Kapazitäten gibt es das ganze Jahr.
Was der September besonders macht: Fiestas und Ernte
September ist in Andalusien die Zeit der Vendimia – der Weinlese. Besonders in der Region Jerez de la Frontera, der Heimat des Sherry, ist das ein spektakuläres Ereignis. Das Festival de la Vendimia findet dort traditionell Anfang September statt, mit Umzügen, Flamenco-Aufführungen und dem Austreten der ersten Trauben. Eintritt zu vielen Veranstaltungen ist kostenlos oder für wenige Euro zu haben.
Auch in Ronda, der dramatisch auf einer Felsklippe thronenden Stadt, gibt es im September das berühmte Ronda Romántica – ein historisches Festival, bei dem die Stadt in die Epoche der Bandoleros des 19. Jahrhunderts eintaucht. Die Atmosphäre ist einmalig.
Dazu kommt das Licht. Im September hat die andalusische Sonne nicht mehr diese erbarmungslose, ausbleichende Qualität des Hochsommers. Das Licht wird weicher, goldener – Fotografen wissen, was das bedeutet. Die weißen Dörfer der Pueblos Blancos zwischen Ronda und Arcos de la Frontera leuchten in einem Warmton, der im August schlicht nicht existiert.
Die Küste: Costa de la Luz statt Costa del Sol
Malaga und die Costa del Sol sind bekannt, aber im September lohnt sich ein Blick nach Westen: Die Costa de la Luz, Andalusiens atlantische Küste zwischen Tarifa und Huelva, ist im September noch ausgesprochen angenehm. Das Wasser hat rund 22 bis 24 Grad, die Strände sind deutlich leerer als im August, und die kleinen Fischerdörfer wie Zahara de los Atunes oder Vejer de la Frontera haben ihren ursprünglichen Charakter bewahrt.
Ein ehrlicher Hinweis: Der Atlantik kann im September bereits etwas rauer sein als im Hochsommer, und an windigen Tagen rund um Tarifa – der Surferhochburg Europas – zieht es mitunter kräftig. Wer ruhige Badestrände sucht, ist auf der Mittelmeerseite oder in geschützten Buchten besser aufgehoben.
Drei Städte, die du nicht mit dem gleichen Blick sehen solltest
Sevilla ist im September eine andere Stadt. Die Terrassen füllen sich erst gegen 21 Uhr wirklich, das Abendlicht taucht die Kathedrale und den Giralda-Turm in Orange, und die Locals kehren aus dem Urlaub zurück – die Restaurants und Bars öffnen wieder vollständig. Plan mindestens drei Nächte ein.
Granada ist vielleicht der heimliche Star des Herbstbeginns. Neben der Alhambra oft vergessen: das lebhafte Universitätsviertel Realejo und die Sacromonte-Höhlenhäuser, wo echter Flamenco für 20 bis 35 Euro pro Person gespielt wird – keine Touristenshow, sondern echte Kunst.
Córdoba dagegen ist kompakter und in zwei vollen Tagen gut erlebbar. Die Mezquita-Kathedrale kostet 13 Euro Eintritt, der frühe Morgen ist die beste Zeit für den Besuch. Vergiss auch die jüdische Altstadt und den Alcázar nicht – und probiere unbedingt den Salmorejo, die dickere Córdobaner Variante der Gazpacho. Ein Teller kostet in einem lokalen Restaurant selten mehr als vier bis fünf Euro.
Was du beachten solltest
Andalusien im September ist fast perfekt – aber eben nur fast. Ein paar Dinge solltest du im Hinterkopf haben:
- Regen ist möglich, besonders ab Ende September. Die ersten Herbstgewitter können heftig, aber meist kurz sein.
- Manche Küstenhotels und kleinere Unterkünfte schließen nach dem 15. September – informiere dich vorab über die Öffnungszeiten.
- Spanische Fiestas bedeuten manchmal, dass Museen und Sehenswürdigkeiten an bestimmten Tagen geschlossen sind. Prüfe lokale Festtagskalender.
- Wer mit Kindern reist: Das Schuljahr beginnt in Spanien ebenfalls im September. Familienstimmung auf der Promenade gibt es weniger, dafür aber ruhigere Verhältnisse überall.
Fazit: Jetzt buchen, bevor es sich rumspricht
Andalusien im September ist kein Geheimtipp mehr – aber er ist noch nicht so überlaufen wie es dieser Reisetipp verdient hätte. Die Kombination aus erträglicher Hitze, günstigeren Preisen, lokalen Festen und einem Licht, das Fotografen und Romantiker gleichermaßen begeistert, macht diesen Monat zum wahrscheinlich besten Zeitfenster für Südspanien überhaupt.
Wer flexibel ist und den Massentourismus scheut, sollte jetzt planen – denn das Geheimnis verbreitet sich langsam, aber sicher.
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